Urlaub in Dänemark

Leben im Norden – Ein anderes Lebensgefühl

Ein kühler Luftzug strömt durch das offene Fenster ins Schlafzimmer. Ich werfe einen Blick nach draußen ins Grüne. Auf dem Teich ziehen die Enten ihre Bahnen, der Wasserreiher steht auf dem Holzzaun und die Vögel trällern um die Wette. So fühlt sich Landleben an. :) Herrlich! Ich liebe die frische Luft und die angenehme Ruhe. Das hat sich, seit unserem Umzug 2015 in den hohen Norden, auch nicht geändert. :)

Wasserreiher

Graureiher

Blick von unserer Loggia

Blick von unserer Loggia

Wir leben im „schönsten Bundesland der Welt“, um den Slogan eines Radiosenders zu verwenden, der uns immer zum Grinsen bringt.

Unsere neue Heimat Schleswig-Holstein

Über Schleswig-Holstein wussten damals wir kaum etwas.

Für Torsten und mich war es lediglich der letzte Autobahnabschnitt vor der Grenze, wenn wir auf den Weg in unseren geliebten Dänemarkurlaub waren. Manchmal hatten wir uns vorgestellt, wie es wohl sein würde, im Norden Deutschlands zu leben und unserem Herzensland ein ganzes Stück näher zu sein. Schmacht! Was habe ich die Schleswig-Holsteiner beneidet. :)

Als Torsten 2014 eine berufliche Veränderung anstrebte, war das die Chance, vielleicht einen unserer Träume zu verwirklichen. Er bewarb er sich in ganz Deutschland, allerdings bevorzugt im Norden. So wollte es der Zufall, dass auch eine Stelle in Kappeln dabei war. Die Einladung zum Vorstellungsgespräch ließ nicht lange auf sich warten. :)

Ich nutzte die Gelegenheit und buchte uns 3 günstige Übernachtungen in der Pension Tüxen in Hasselberg, damit wir uns die Region etwas genauer ansehen konnten. Die Wahl unserer Pension war eine sehr gute Entscheidung, wie sich später herausstellte. ;) Nachdem wir am ersten Tag unser Frühstück beendet und Torsten sein Vorstellungsgespräch hinter sich gebracht hatte, fuhren wir nach Kappeln, um uns die kleine Stadt an der Schlei näher anzusehen.

Kappeln, Klappbrücke und Hafen

Kappeln, Klappbrücke und Hafen

Wir schlenderten durch die kleine Einkaufspassage, vorbei an der St. Nikolai-Kirche und am Restaurant Aurora, wo früher der Landarzt zu Gast war. Ja sogar studieren kann man hier, wenn auch nur die Speisekarte der Bierakademie.

Am Hafen angekommen, stellte sich bei uns ein kleines Hungergefühl und Kaffeedurst ein. In der Nebensaison sind leider die Öffnungszeiten vieler Lokalitäten eingeschränkt, doch wir fanden ein kleines Restaurant am Hafen, was durchgehend warme Küche anbot. Gemütlich mit Blick auf die Schlei genossen wir beide unseren Kaffee und den großen Fischteller.

Am nächsten Tag führte uns der Weg nordwärts nach Glücksburg. Meine Recherche ergab, dass es dort ein wunderschönes Wasserschloss gibt. Am Schloss angekommen, stellten wir fest, dass wir viel zu früh da waren. So schlenderten wir durch den Schlosspark, der zu dieser Jahreszeit eher trist und grau anmutet. Nach der Besichtigung des Schlosses (die ich jedem nur ans Herz legen kann) trieb uns der Hunger in Richtung Flensburg. Da waren wir nicht die Einzigen. ;)

Wasserschloss in Glücksburg

Wasserschloss in Glücksburg

Der Parkplatz direkt am Hafen war schon gut gefüllt. Wir schlenderten zuerst am Hafen entlang und begaben uns vor dort aus in die Innenstadt. Trotz kühler Temperaturen, Wind und Regen strömten viele Menschen durch die historische Einkaufsmeile der nördlichsten Stadt Deutschlands. Ab und zu wanderte mein Blick in die Seitenstraßen, wo sich traditionsreiche Kaufmannshöfe befinden und kleine Fachwerkshäuser die Straße säumen. So manche enge Gasse führt in schön angelegte Hinterhöfe, wo sich weitere Restaurants und Läden befinden.

Der Hunger trieb uns weiter voran, doch an diesem Tag waren die Lokale gut besucht. Gut für die Inhaber, blöd für uns. ;) Wir holten uns ein Pizzastück von Ditsch und einen Kaffee To Go, suchten uns eine Bank und beobachteten das geschäftige Treiben. Flensburg ist so schön.

Flensburg

Flensburg

Den Abend verbrachten wir in unserer gemütlichen Pension. Wir fühlten uns wohl und wollten gar nicht mehr weg.

Sonntagmorgen war mir schon etwas wehmütig zumute. Was soll ich sagen?! Ich habe dieses Fleckchen sofort in mein Herz geschlossen. Ich sagte damals zu Torsten „Lass uns hoffen, dass es diese Stelle wird. Es ist hier so schön.

Eine Woche später kam die Zusage. Torsten und ich konnten es kaum glauben, wir freuten uns total. Überglücklich, unserem Traum und dem Herzenland ein ganzes Stück näher zu sein, begannen wir mit der Planung des Umzugs. Auf die Schnelle hier eine Wohnung zu finden war nicht ganz einfach. Als wir unsere Domizil gefunden hatten, war noch einiges zu renovieren. Während dieser Zeit wohnten wir in einer der Ferienwohnungen bei der Familie Tüxen, die uns finanziell sehr entgegen kamen. Unsere neuen Nachbarn hießen uns freundlich willkommen und boten gerne ihre Hilfe an. Trotz unserer Freude, fiel es uns wirklich nicht leicht Familie und Freunde in Magdeburg zurückzulassen. Doch wir haben es für uns getan. In vielerlei Hinsicht war es auch ein Neuanfang.

Die Menschen

Was wir uns als Erstes angeeignet haben ist das typisch Norddeutsche „Moin“, womit man sich hier zu jeder Tageszeit begrüßt. Egal ob es morgens, mittags oder abends ist. Ja, die norddeutschen mögen es einfach und praktisch. Warum viele Worte verschwenden, wenn ein einziges reicht. :D Wir empfinden die Schleswig-Holsteiner als freundlich, offen und hilfsbereit. Unsere Nachbarn halfen uns nicht nur tatkräftig, sondern sie hießen uns im Haus herzlich willkommen.

Ich finde wir passen gut hier her. Jeder hört, dass wir aus einer anderen Ecke Deutschlands kommen und die Leute sind ehrlich neugierig, wie es uns hier her verschlagen hat.

Die Landschaft

Kennt Ihr die Serie „Der Landarzt“?! Falls ja, dann könnt Ihr euch genau vorstellen wo wir wohnen, denn hier in der Region wurde die Serie gedreht. Die fiktive Stadt Dekelsen ist in Wirklichkeit Kappeln und liegt direkt an der Schlei. Wir wohnen ca. 10 Km nördlich davon entfernt in Gelting. Von hier aus sind es nur 5 Minuten mit dem Auto bis zum nächsten Ostseestrand in Wackerballig. Zehn Minuten in Richtung Osten nach Falshöft, Pottloch und Kronsgard, wo wir gerne am Strand spazieren gehen.

Ehemalige Landarztpraxis - Seit 2013 Café Lindauhof

Ehemalige Landarztpraxis – Seit 2013 Café Lindauhof

Mühle Charlotte in der Geltinger Birk

Mühle Charlotte in der Geltinger Birk

Ostseestrand in Hasselberg

Ostseestrand in Hasselberg

Das Angelnder Landschaftsbild ist ackergeprägt, wirkt aber mit seinen kurvenreichen Straßen, den sanften Hügeln und seinen landschaftstypischen Knicks, sehr harmonisch. Der Anblick der vielen blühenden Felder ist immer wieder ein schönes Bild.

Wenn im Mai der Raps in voller Blüte steht, die Sonne scheint und der Himmel das Wasser in sattem Blau erstrahlen lässt, dann muss ich einfach die Kamera zücken, um die Postkartenidylle festzuhalten. Anders kann ich diese wunderschöne Landschaft nicht beschreiben. Dazu kommen die zahlreichen Naturschutzgebiete, in denen sich Wildvögel, Rehe, Wildpferde und Rinder tummeln.

Rapsblüte im Mai an der Ostsee - Pottloch Strand

Rapsblüte im Mai an der Ostsee – Pottloch Strand

Strand in Ohrfeldhaff

Strand in Ohrfeldhaff

Immer wenn wir mit dem Rad unterwegs sind, denke ich mir: „Ein wahres Paradies für Wanderer und Radfahrer„. Überall gibt es gut ausgebaute Fahrradwege, über die wir viele ausgedehnte Fahrradtouren gemacht haben. Natürlich ist die Ostsee ganz anders als die Nordsee, aber wir lieben sie genau so. Es ist nach wie vor noch etwas Besonderes, obwohl es täglich für uns möglich ist, die unterschiedlichen Strände zu besuchen.

Es ist einfach entspannend den Möwen bei der Jagd nach Essbarem zuzusehen, dem Plätschern des Wassers zu lauschen und den Blick über den Horizont schweifen zu lassen. Außerhalb der Saison sind wir oft ganz allein. Ideal zum Abschalten und um einen freien Kopf zu bekommen. Wenn wir an die Nordsee wollen, dann fahren wir etwas mehr als eine Stunde und stehen schon auf einem Deich in Nordfriesland. Nicht ohne Grund nennt man Schleswig-Holstein das Bundesland zwischen den Meeren und damit hat es eine sehr schöne Gemeinsamkeit mit Dänemark.

Im Sommer fahren wir gerne ans bzw. ins Wasser. Ausgestattet mit Kaffee, Salat, Getränken und Picknickdecke lassen wir gerne den Feierabend ausklingen. Für uns purer Luxus, quasi direkt vor der Haustür. Uns gefällt das gemäßigte Klima. Die Winter sind nicht zu kalt und die Sommer nicht zu heiß.

Die Nähe zu Dänemark

Ich kann Euch gar nicht sagen, wie sehr ich die Möglichkeit liebe, einfach ins Auto zu steigen und in unser Herzensland zu fahren. Was sind schon 40 Minuten bis zum Grenzübergang. Seit wir in den Norden gezogen sind, haben wir schon unzählige Tagesausflüge gemacht. Romo, Sønderborg, Tønder, Arø, Åbenrå als Beispiele sind spontan am Wochenende kein Thema.

Unser Lieblingsausflugziel ist Rømø. Bis dahin sind wir zwar auch knapp 2 Stunden unterwegs, aber allein die Fahrt entlang der Felder, vorbei an dänischen Orten und über den Damm ist so schön. Zu meinem Geburtstag 2017 ging es spontan für 3 Tage nach Vedersø Klit. Einfach so! Ein weiterer Punkt, warum wir hier so glücklich und zufrieden sind. Daran möchten wir Euch auch teilhaben lassen und werden über unsere Abstecher nach Dänemark berichten.

Rømø Lakolk Strand

Rømø Lakolk Strand

Vedersø Klit

Vedersø Klit

Die Nähe zu Dänemark

Die Nähe zu Dänemark

Dänemark ist immer allgegenwärtig. Egal ob wir am Strand in Ohrfeldhaff oder Hasselberg sind, überall ist am Horizont bereits die Küste Dänemarks sichtbar. Auf den Landstraßen sind vermehrt Autos mit dänischen Kennzeichen unterwegs. Aus dem Autoradio ertönen die Nachrichten plötzlich im dänischen Genuschel. ;)  Und schon oft haben sich unsere Smartphones in das dänische Mobilfunknetz eingebucht. Selbst in den Geschäften hier in der Ecke gibt dänische Produkte. Dazu müssen wir nicht einmal über die Grenze fahren. In Kappeln gibt es dänisches Softeis und Hotdogs. Bei unserem Metzger hier im Ort, können wir die typisch dänische Koldskål und Kammerjunkere kaufen.

Wenn uns all das nicht reicht, dann fahren wir einfach nach Padborg oder Aabenraa und besorgen unsere Lieblingsdinge vom dänischen Netto oder SuperBrugsen.

Fazit

Wir fühlen uns hier im Norden, besonders auf unserer Halbinsel Angeln, sehr wohl. Ein Zurück in die alte Heimat wird es nicht geben. Ich empfinde es nach wie vor als ein Privileg, hier zu leben wo andere Urlaub machen. Bisher haben wir keinen einzigen Tag bereut.

Natürlich war es eine Umstellung, aus einer Großstadt aufs Land zu ziehen. Aber es gibt hier nichts, was uns fehlt. Wir entdecken immer wieder neue schöne Ecken. Sind deutlich glücklicher und zufriedener, seit wir hier leben. Unser Leben hier ist einfach entschleunigter.

Sonnenuntergang in Gelting

Sonnenuntergang in Gelting

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4 Kommentare

  • Antworte
    Dorfworker - Steffen
    9. August 2017 at 18:55

    Hej, jeg igen. ;) Super Geschichte. Hatte sehr viel Spaß beim Lesen. Mich hat es aus Dessau über Nürnberg nach Großenbrode, kurz vor Fehmarn, verschlagen. Lange Geschichte. Sollte ich mal drüber schreiben ;)
    Mir gefällt es hier auch am besten. Wenn ich mal weg muss, nur noch nördlicher.

    Liebe Grüße Steffen

    • Antworte
      Susi
      14. August 2017 at 8:58

      Danke :) Dann kommen wir ja fast aus der gleichen Ecke ;)

      Erst nach Bayern und dann in Norden… wow. Ist sicher eine interessante Geschichte. Hab einen schönen Tag. LG Susi

  • Antworte
    Steffi
    10. August 2017 at 9:20

    Das unterschreibe ich so.
    Ich kann mir gar nichts anderes vorstellen, als in Schleswig-Holstein zu wohnen. :)

    Hab einen tollen Tag!

    Ganz lieben Gruß
    Steffi

    • Antworte
      Susi
      14. August 2017 at 8:56

      Danke. Ich wünsche Dir eine schöne Woche. :) LG Susi

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