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Dänemarktipps

Stauning Whisky – Unser Besuch in der dänischen Whiskydestillerie

30. April 2018
Stauning Whisky | A Danish Whisky Distillery

Bisher hatten wir mit Whisky nicht viel am Hut… Bisher! Denn bei unserem letzten Aufenthalt am Ringkøbing Fjord, sind wir auf die Whisky Brennerei in Stauning aufmerksam geworden. Whisky aus Dänemark? Unsere Neugierde war geweckt.

Über die Webseite www.stauningwhisky.com haben wir abends zuvor eine Führung gebucht. Die Führungen werden an ausgewählten Tagen auf dänisch, englisch und deutsch angeboten. Wir haben uns für die Führung auf deutsch mit einer anschließenden Verköstigung entschieden. Das kostet insgesamt 150 Kronen pro Person und dauert ungefähr 90 Minuten. Positiv: wer nicht verkostet zahlt nicht den vollen Preis.

Wir hatten uns für die Runde am Mittwoch von 14 bis 15:30 Uhr angemeldet. Die Brennerei liegt direkt an einer kleinen Landstraße, in der Nähe von Skjern. Parkplätze gibt es direkt auf dem Hof. Katja, unsere Führerin hieß uns alle herzlich willkommen. Sie begann mit der Gründungsgeschichte und den Erfolgen dieser kleinen Destille in Dänemark. Das tat sie nicht ohne einen gewissen spürbaren Stolz. Aber der ist auch berechtigt. Immerhin hat das mehrfach zum besten Restaurant der Welt gekürte Noma in Koppenhagen hat das gesamte Sortiment in sein Angebot aufgenommen.

Stauning Whisky ist die einzige Destillerie in Dänemark, die ausschließlich dänische Gerste für die Whisky Produktion verwendet. Circa 15.000 Liter Whisky werden jährlich produziert. Die Gründer von Stauning Whisky haben sich als Ziel gesetzt den besten Whisky der Welt zu produzieren.

Der Stauning Whisky findet sogar in der Whisky Bible von Jim Murray Erwähnung und ist bereits prämiert. Bei den World Whisky Awards wurde er mit Gold und Platin ausgezeichnet und erhielt eine Bewertung von 96 Punkten. Das ist  für so eine junges Unternehmen / Whisky sehr selten. Das sprach sich natürlich herum, sodass auch Besucher aus Schottland die Destille besuchten, um zu sehen, wie der Whisky hergestellt wird.

Die ersten Pottstils der Stauning Whisky Destille

Die ersten Pottstils der Stauning Whisky Destille

Geschichte

Die Idee einen dänischen Single Malt Whisky zu kreieren entstand von 4 Freunden an einem gemeinsamen Abend in Langeland. Sie riefen all ihre Freunde zusammen, um diesen ihr Projekt schmackhaft zu machen. Das gelang ihnen auch und so waren an der Gründung 9 Freunde beteiligt. So entstand Stauning Whisky.

Die 9 Gründer  bestehen aus vier Ingenieuren, ein Lehrer, ein Koch, ein Metzger, ein Pilot und ein Arzt – und keiner  wusste, wie man Whiskey machte. Sie fingen an, viel über die Whiskyproduktion zu lesen und wollten einen Whisky erschaffen, der wie ein rauchiger Islay Scotch Whisky schmeckte. 

Die Motivation war groß, doch das Geld leider knapp. So bauten sie in Eigenregie ein ehemaliges Schlachthaus in eine Minibrennerei um. Viele Dinge bauten sie selbst, und so wurde aus einem alten Fleischwolf eine Getreidemühle gemacht, der Beizbottich wurde zur Gärung verwendet, und der Räucherofen – der immer noch wunderbar nach geräuchertem Speck roch – wurde mit Getreide anstelle von Fleisch gefüttert. Einzig zwei kleinen Pot Stills haben die Gründer von einem Kupferschmied in Spanien herstellen lassen.

Im August 2006 war es dann endlich soweit. Die vier Freunde Jesper, Rasmus, Alex und Lasse trafen sich im Schlachthaus, um das Ergebnis ihrer harten Arbeit und Bemühungen zu probieren. Die ersten Tropfen schmeckten besser als erwartet…

Die Führung bei Stauning Whisky

Nach dem theoretischen Teil ging es los mit der Praxis. Dazu gehören Einblicke in die Produktion (Mälzerei/Destillerie), eine Besichtigung des Fasslagers und zum Schluss die Verköstigung der hauseigenen Produkte. Das Fotografieren ist übrigens grundsätzlich erlaubt. Kleiner Tipp am Rande, immer schnell einen guten Platz sichern. Ihr seid definitiv nicht die Einzigen mit einer Kamera in der Hand. ;)

Für uns Neulinge war das alles sehr spannend. Wir erfuhren sehr viel über Whisky und die Produktion in Stauning. So sind derzeit 3 verschiedene Whiskys + Sondereditionen (z.B. Blended Whisky) in Produktion.

Wir starteten mit den Grundzutaten, die zum Whisky brauen unerlässlich sind, und zwar dem Getreide. Das wird von 5-6 Bauern aus der Region bezogen. Der Whisky wird mit 70% Roggen und 30% Gerste gebraut. Aus 3 Kg Getreide gewinnt man 1 Liter Alkohol. Die Gerste durften wir alle mal kosten. Sie schmeckt leicht rauchig, was daran liegt, dass sie mit Torf geräuchert wird.

Jeder darf die Gerste einmal kosten (schmeckt leicht rauchig)

Jeder darf die Gerste einmal kosten (schmeckt leicht rauchig)

Den Torf beziehen sie im  Klosterlund Museum bei Herning und auch sonst kommen alle Zutaten aus der Region. Während der Keimung muss das Getreide oft gewendet werden, so dass das Korn eine gleichmäßige Temperatur erreicht. Eigens dafür haben die Ingenieure den Kornwender erfunden.

Der Kornwender

Der Kornwender

Bei der Destillation wird Kupfer verwendet, denn er gibt ebenfalls Geschmack ab. Selbst die Form ist dabei wichtig. Bei der Führung konnten wir alle Produktionsschritte direkt miterleben und durften auch einen Blick in die Pottstils werfen und die Zwischenergebnisse sehen und riechen.

Die Produktion Stauning Whisky

Die Produktion Stauning Whisky

Zum Schluss ging es ins Fasslager, wo all die flüssigen Schätze lagern. Es kommen gebrauchte Fässer (überwiegend 200 Liter, sowie kleinere 50 und 35 Liter) zum Einsatz. Die Eichenfässer sind innen ausgebrannt. Das sorgt dafür, dass sich in der Holzsubstanz Holzzucker entwickelt und auf der Innenseite des Fasses eine Holzkohleschicht entsteht. Die Holzkohle dient als Filter und zieht die scharfen Bestandteile aus dem Whisky heraus. Darüber hinaus werden 60% Farbe und Geschmack aus dem Holz geholt.

Der Alkohol muss mindestens 3 Jahre im Holzfass gelagert werden, bevor er sich in Whisky nennen darf.

Kleines Fasslager Stauning Whisky

Kleines Fasslager Stauning Whisky

Die Verkostung

Am Ende der Führung stand die Verkostung auf dem Plan. Darauf hatten wir uns schon sehr gefreut. Auf den Tischen standen Gläser, Kannen mit Wasser und Pipetten bereit. Doch bevor es ans Trinken ging, gab es noch ein paar aufschlussreiche Hinweise. So erfuhren wir, das Eiswürfel nicht in einen Whisky gehören, da sich durch die niedrigere Temperatur und die Verdünnung der Geschmack verändert.

Man kann Whisky auch etwas mit Wasser verdünnen. Das kann bei Whiskys mit Fassstärke, deren Alkoholgehalt im Whisky durchaus 50 bis 65 Prozent betragen, durchaus sinnvoll sein. Dieser hohe Alkoholgehalt kann dem einen oder anderen schon zu viel sein, um den Whisky pur genießen zu können. Idealerweise sollte mit wenigen Tropfen experimentiert werden, bis der persönlich perfekte Geschmack erreicht ist. So können teilweise noch ganz andere Aromen im Whisky wahrgenommen werden. Um nicht aus Versehen zuviel Wasser auf einmal in das Whiskyglas zu geben, ist die Verwendung einer Pipette ratsam. Darüber hinaus sollten bei einem Whiskytasting ausschließlich hierfür geeignete Nosing-Gläser, wie zum Beispiel das Glencairn-Glas, zum Einsatz kommen.

  • Zuerst probierten wir den Young Rye Whisky, einen 3 Jahren alten Roggen Whisky. Der wird aus Malz-Roggen und Malz-Gerste hergestellt. Man spürt und riecht deutlich den Roggen. Dieser Whisky ist schon etwas Besonderes, da Roggen schwierig zu händeln und es eigentlich nicht üblich ist, Roggen zu mälzen. Dieser Whisky sagte mir besonders zu.
  • Als nächstes den Traditionell – Single Malt Whisky. Er ist das Kernprodukt von Stauning Whisky und wird aus zu 100% aus gemälzter lolaler Gerste hergestellt. Dieser Typ ist ein milder, malziger und ausgeglichener Whisky. Sehr angenehm im Geschmack.
  • Zuletzt kam der Peated Whisky an die Reihe. Ein rauchiger Stauning Single Malt Whisky, der zweimal in traditionellen Pot Stills destilliert wird. Seine rauchigen Eigenschaften erhält er durch das Trocknen der gemälzten Gerste mit Torfrauch. Lau Katja ein Whisky, der Islay-Fans anspricht. Ein intensives rauchiges Aroma…mmh.
Die drei Sorten Young Rye, Single Malt und Peated / Stauning Whisky

Die drei Sorten Young Rye, Single Malt und Peated / Stauning Whisky

Young Rye Stauning Whisky

Young Rye Stauning Whisky

 

Die Führung mit anschließender Verkostung ist wirklich sehr aufschlussreich. Für uns eine tolle Erfahrung. Leider konnten wir keinen Whisky vor Ort kaufen, da die kleinen Mengen immer ganz schnell ausverkauft sind. Sobald die Erweiterung der Produktionsanlagen abgeschlossen ist, sollen bis zu 750.000 Liter Whisky hergestellt werden. Trotz geplanter Erweiterung der Produktion, sollen weiterhin alle Rohstoffe aus der Region bezogen werden.

Ich kann euch die Besichtigung der Stauning Whisky Destillery wärmstens empfehlen. Die Führung ist auch für all jene interessant, die nicht gerne Whisky trinken.

Zeiten für die Besichtigungen findet ihr auf der Webseite im Kalender.

Öffnungszeiten Stauning Whisky: Montag-Freitag von 10.00-13.30 Uhr.

Tipp: Auf der Facebookseite https://www.facebook.com/Stauningwhisky/ werden alle wichtigen News rund um die Erweiterung und wenn eine neue Abfüllung bevorsteht, veröffentlicht.

Macht es Euch schön!

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